Krems II – Am 7. Oktober durfte die Freiwillige Feuerwehr Krems II einen ganz besonderen Gast in ihren Reihen begrüßen: Die Ministerin für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein, Magdalena Finke, stattete den Einsatzkräften einen offiziellen Besuch ab. Der Termin war Teil ihrer landesweiten Tour durch kleine wie große Freiwillige Feuerwehren, um sich vor Ort ein realistisches Bild von der Lage an der Basis zu machen: Wo drücken die Einsatzkräfte die Schuhe? Was wird benötigt, um den Einsatzdienst und die Einsatzbereitschaft für die Bevölkerung auch in Zukunft so unkompliziert wie möglich zu sichern?
Praxisnahe Übung verdeutlicht Problem der Wasserversorgung
Gleich zu Beginn des Besuchs demonstrierte die Feuerwehr Krems II der Ministerin in einer praxisnahen Übung eine der größten Herausforderungen in ländlichen Gebieten: den Aufbau einer funktionierenden Wasserversorgung in Gemeinden ohne flächendeckendes Hydrantennetz.
Eindrucksvoll wurde vorgeführt, wie wertvoll Zeit im Ersteinsatz ist. Das mitgeführte Wasser im Löschfahrzeug ist bei einem Brandeinsatz schnell aufgebraucht. Ist kein öffentliches Hydrantennetz vorhanden, müssen lange Schlauchleitungen zu nahegelegenen Seen oder Gewässern gelegt werden. Die Übung verdeutlichte der Ministerin anschaulich, wie zeitintensiv dieser Prozess ist und wie essenziell eine gesicherte Wasserversorgung für den Löscherfolg ist.
Offene Gesprächsrunde im Gerätehaus: Die Anliegen der Basis
Im Anschluss ging es für die Feuerwehrleute und den Gast ins Feuerwehrgerätehaus. In einer entspannten und konstruktiven Gesprächsrunde bekam jeder Kamerad die Gelegenheit, Themen und Sorgen direkt an die Innenministerin heranzutragen. Dabei kamen verschiedene zentrale Kernpunkte zur Sprache:
– Tagesverfügbarkeit & Neue Einsatztaktiken: Ein drängendes Thema betraf die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft tagsüber. Da in kleineren Orten ohne Berufsfeuerwehr ausschließlich ehrenamtliche Kräfte ausrücken, wird es durch veränderte Arbeitswelten – wenn Kameradinnen und Kameraden außerhalb arbeiten – immer schwieriger, tagsüber ausreichend Personal vor Ort zu haben. Als möglicher Lösungsansatz wurde ein Umdenken in der Einsatztaktik nach skandinavischem Vorbild diskutiert: Weniger Personal vor Ort, dafür gezielterer Methodeneinsatz – etwa durch den Einsatz von Großtankern (z. B. umgebauten Milchtankern) für den schnellen Wassertransport oder den Einsatz moderner Werkzeuge wie dem Cobra-Schneidlöschsystem.
– Kulturgut & Dorfmittelpunkt: Es wurde unterstrichen, dass die Freiwillige Feuerwehr gerade in kleineren Orten weit über den reinen Brandschutz hinausgeht. Sie organisiert das Dorfleben, richtet Feste aus und bildet das Herzstück der Gemeinschaft. Mit einer oft über 100-jährigen Tradition sind die Feuerwehren ein unverzichtbares Kulturgut in Deutschland.
– Finanzielle Belastung kleiner Gemeinden: Die Vertretung der Gemeinde und Wehr wies auf die enormen finanziellen Hürden hin. Nach der Anschaffung eines teuren neuen Einsatzfahrzeugs stehen nun notwendige Umbaumaßnahmen im Gerätehaus an, um den Arbeitsschutz und die geforderte Schwarz-Weiß-Trennung (Trennung von Einsatz- und Zivilkleidung zur Hygiene) zu gewährleisten. Für eine kleine Gemeinde wie Krems II ist dies eine gigantische finanzielle Belastung. Hier wurde der deutliche Wunsch geäußert, dass das Land kleine Kommunen gezielter und finanziell stärker unterstützt.
– Unterstützung im Katastrophenschutz: Ein weiteres Anliegen betraf die Vorsorge für Notfall- und Krisenlagen wie flächendeckende Stromausfälle (Blackouts). Die Gemeinde und die Feuerwehr wünschten sich hier mehr Rückendeckung durch das Land Schleswig-Holstein – sowohl durch einheitliche Leitfäden für Ämter und Gemeinden als auch durch die Bereitstellung von Notfall-Equipment, damit kleine Kommunen in Krisen nicht auf sich allein gestellt sind.
Ein rundum gelungener Termin
Sowohl die Gemeinde als auch die Freiwillige Feuerwehr Krems II freuen sich sehr über den Besuch von Innenministerin Magdalena Finke. Dass auch kleine Feuerwehren und Gemeinden von der Landespolitik wahrgenommen und angehört werden, ist keineswegs selbstverständlich. Der Abend verlief in einer äußerst angenehmen, offenen und durchweg konstruktiven Atmosphäre.
Wir bedanken uns herzlich bei Frau Finke für ihr Interesse, ihr offenes Ohr und den wertvollen Austausch!